Dienstag, 23. Dezember 2014

Filmeinsatz am Beispiel „Schwarzfahrer“

Bei der Suche nach geeigneten Filmen, die man im Ethikunterricht einsetzen könnte, bin ich auf einen Kurzfilm aus dem Bereich der politischen Bildung gestoßen, den ich vorstellen möchte.

Es handelt sich um den Kurzfilm„Schwarzfahrer“ von Pepe Danquart, der 1994 sogar mit einem Oscar ausgezeichnet wurde. Im Zentrum steht eine Straßenbahnszene, in welcher eine ältere, sehr vorurteilsbehaftete Dame einen jungen farbigen Mann beleidigt. Typisch für das Genre folgt daraufhin eine unterhaltsame und unerwartete Wendung. An dieser Stelle will ich die Pointe aber nicht vorwegnehmen ;)

Einsetzen würde ich diesen Kurzfilm im Lernbereich Urteil und Vorurteil der Klassenstufe 6. Verschiedene Aufgabentypen wären denkbar. Einerseits könnten die Vorurteile der älteren Dame in den Fokus gerückt werden. Beispielsweise: Sammle die Vorurteile, die im Film geäußert werden. Anschließend könnte versucht werden, diese zu widerlegen. Hilfe bei der Materialerstellung kann man sich vor allem im Buch:Argumentationstraining gegen Stammtischparolen von Klaus-Peter Hufer suchen. Ich habe in meiner letzten SPÜ im SS14 gute Erfahrungen mit diesem Werk gemacht und festgestellt, dass ebenfalls die verschiedenen Lehrbücher gut aufbereitet sind.
Andererseits kann man auch den Umgang mit Vorurteilen thematisieren. Beispielsweise: Beobachte die verschiedenen Menschen in der Straßenbahn. Erkläre, wie sie auf die Beleidigung des Mannes reagieren. Hierbei könnten dann auch persönliche Erfahrungen aus Bus und Bahn mit in den Unterricht einfließen, sofern diese vorhanden sind.

Was haltet ihr von diesem Kurzfilm? Könnt ihr euch eine Thematisierung in Klasse 6 vorstellen oder ist es zu früh für das Thema Fremdenfeindlichkeit?

Kommentare:

  1. Hallo TeichGorgi,
    ich hatte mir auch den Lernbereich Urteil und Vorurteil für Klasse 6 rausgesucht und bin ebenfalls auf diesen Film gestoßen (nun...du warst schneller). Ich finde dieser Film hat Potential und kann durchaus in einer 6.Klasse eingesetzt werden. Die Situation (Straßenbahnfahren/ Ticketkontrolle/ freien Sitzplatz ergattern) kennen viele der Schüler, sodass das Beispiel nah an der eigenen Lebenswelt lebt und sie sich hineinversetzen können. Und das Problem der Fremdenfeindlichkeit steht in engem Zusammenhang mit dem Thema Urteil und Vorurteil und bietet z.B. einen guten Themeneinstieg. In der 6.Klasse wird ja auch das Judentum behandelt, wo ebenfalls die Thematik Fremdenfeindlichkeit aufgegriffen wird, sodass ich nicht denke, dass es zu früh ist. Es kann nie früh genug besprochen werden (solange die Materialien auf das jeweilige Alter zugeschnitten sind).
    Meiner Meinung nach birgt dieser Kurzfilm auch nicht die Gefahr, wie in der letzten Sitzung angesprochen, dass der Film als Entspannungsmedium angesehen wird. Weil der Handlungsverlauf Spannung erzeugt, die Schüler wissen werden wollen, was noch passiert, wie er reagiert etc. und da der Betroffene ebenfalls jung ist, ist an dieser Stelle nochmals der Bezug zur Lebenswelt gegeben. Man kann hier weiterführende Fragen zum Film stellen, wie die Schüler reagiert hätten (an Stelle des jungen Mannes oder an Stelle der anderen Mitfahrer), was die Schüler von den anderen Mitfahrern und Zuhörern erwarten würden etc., dies ist auch möglich in einem Rollenspiel (haben wir so ähnlich in einer SpÜ Stunde durchgeführt).
    Zudem denke ich, kann man an diesem Beispiel gut die Kompetenz der Filmanalyse fördern. Die Musik ändert sich, die Kameraeinstellung passt sich der Handlung mit Zoom an (Gesichter= Reaktionen), Weitwinkel (Bahn fährt weg= Handlung läuft weiter) etc. und Farben spielen keine Rolle, weil es ja um den Konflikt „schwarz-weiß“ geht (darauf kann man z.B. die Schüler auch selbst kommen lassen > Bezug zum Titel kann hier auch einfließen).

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  2. Hallo,
    ich finde den Film für Klassenstufe 6 zu früh. Klar passt er gut zum Thema Vorurteile, aber nur weil er thematisch gut passt, passt er auch in die Altersstufe. Ich setze ihn in Klasse 9 ein, aber in der Oberstufe sind die Diskussionen dazu nochmal gehaltvoller. Ich fände es zu schade, diesen tollen Kurzfilm in Klassenstufe 6 zu "vergeuden", wo die Schüler die Pointe vielleicht witzig finden, aber die verschiedenen Dimensionen nie und nimmer verstehen können.

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